DER MENSCHENKENNER
Viele Personen der Geschichte werden bis in die Gegenwart missverstanden. Auch einem Freiherrn, geboren am 10.Oktober 1752 auf Schloss Bredenbeck bei Hannover, geht es nicht anders. Der junge Mann aus verarmter Adelsfamilie studiert Juristerei, findet aber keinen rechten Gefallen an dem Metier und wendet sich der Schriftstellerei zu. Er lernt Goethe kennen, der für ihn zum Mäzen wird: Auf Vorschlag des jungen Dichterfürsten wird der Freiherr Leiter des Hanauer Hoftheaters. Im hessischen Städtchen vor den Toren Frankfurts findet er bald Kontakt zum aufklärerischen Freimaurerbund der Illuminaten, dessen Mitglied er wird. Der Idealist wird aber auch hier nicht glücklich. Er überwirft sich sowohl mit seinem Arbeitgeber wie mit dem Großmeister der Illuminaten und seinen Standesgenossen. Seine Stellung am Theater verliert er als Folge der Unstimmigkeiten. Der Sensible legt seinen Adelstitel ab und will nur noch ein freier Herr sein. Er verfasst kulturhistorisch bedeutsame Reiseromane, wendet sich in satirisch politisierenden Schriften gegen jede Art - insbesondere die staatliche - von Despotismus und predigt Toleranz, für einen Adelsspross dieser Zeit nicht eben alltäglich. Nebenbei übersetzt er Rousseau, den er verehrt. Berühmt aber macht ihn sein 1788 erschienenes Werk Über den Umgang mit Menschen. Dieses Meisterwerk der Menschenkenntnis wird leider bis heute in grob vereinfachender Weise als bloßes Benimmbuch missverstanden. Der Mann, dessen Lebensmotto Verliere nie die Zuversicht zu Dir selbst lautet, wird nur 43 Jahre alt. Am 6. Mai 1796 stirbt er in Bremen. Wer wars?
Lösung: Adolpf Franz Friedrich Freiherr von Knigge |
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