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Kallipotamien ist so klein, dass es kaum auffällt, selbst wenn man in der Nähe ist. Wäre es ein Fürstentum oder ein Treffpunkt der Reichen und Schönen, wäre es ein Steuerparadies oder könnte es wenigstens einmal im Jahr etwas Besonderes vorweisen wie San Marino mit seinem Formel-I-Grand-Prix, die Lage wäre sicher anders. Aber wie es nun einmal ist, scheinen die Weltläufe an dem Ländchen hinter Transsylvanien vorbei gegangen zu sein. Wir sind in der glücklichen Lage, doch gelegentlich etwas aus der Minirepublik zu erfahren, weil Manfred häufig Gast bei seiner Freundin Europa und deren Familie ist.
Kallipotamien ist keinerlei internationalen Bündnissen, Ligen oder Verbänden angeschlossen, auch nicht im Sport. Während Guinea-Bissau wenigstens zwei Sportler nach Sydney entsandt hat, kennt man die Olympischen Spiele in Kallipotamien nur vom Hörensagen. Das heißt aber nicht, dass die Menschen in Europas Heimat unsportlich sind. Neulich beispielsweise war Manfred Zeuge eines Wettkampfs zwischen den beiden einzigen Oberschulen des Landes; die eine befindet sich natürlich in der Hauptstadt Mikropolis, die andere gibt es in Gignomia - der Name bedeutet so viel wie "entstehen". Da traten also die Schüler beider Schulen in mehreren Wettbewerben gegeneinander an. Punkte gab es nur für die Plätze eins, zwei und drei. Anfangs zog Gignomia davon und hatte sich bald einen guten Vorsprung verschafft. Die Schüler freuten sich schon auf einen Sieg über die Hauptstadt. Doch dann kamen die Mikropoliter auf; Punkt um Punkt machten sie gut, und am Ende hatten sie doch noch den Sieg mit 47 zu 44 Punkten geholt. Dabei hatten die Hauptstädter vier erste, fünf zweite und einen dritten Platz belegt. Die Siegesfreude war riesig.
Warum ich das erzähle? Ganz einfach - Sie sollen herausfinden, wie viele Wettbewerbe zwischen den beiden Schulen ausgetragen wurden, wie viele Punkte es jeweils für Platz eins, zwei und drei gab und welche Platzierungen folglich Gignomia erzielte.

LÖSUNG Nr. 100: Bei einem Turnier mit 113 Teilnehmern sind 112 Spiele zur Ermittlung des Siegers nötig. 112 Verlierer scheiden in jeweils einem Verlustmatch aus - im letzten bleibt der Sieger übrig.

ALTE BRÄUCHE

Kallipotamien ist kein Land der Industrie, und Begriffen wie High Tech begegnet man hier mit völligem Unverständnis. In Kallipotamien hat die Landwirtschaft Tradition. Sie bringt Köstliches auf den Tisch. Wer einmal kallipotamische Tomaten gegessen hat, wird nie mehr die „roten Wasserbomben“ mögen, wie wir sie hier bei uns in den Supermärkten finden. Bedingt durch das außerordentlich milde Klima wachsen in Kallipotamien auch Südfrüchte wie Bananen, Orangen, Melonen und Ananas. Die Kohlköpfe sind etwas größer und die Kürbisse etwas schwerer als bei uns.
Apropos Kürbisse: In Kallipotamien zollt der Mensch dem Überfluss der Natur Achtung und feiert ihn jährlich am letzten Sonntag im Oktober mit einem Erntedankfest. Man tut das ähnlich wie die Nordamerikaner an ihrem Thanksgiving Day. Statt Truthahn - diese Tiere sind in Kallipotamien gänzlich unbekannt - gibt es Gänsebraten. Auch das Geflügel ist etwas stattlicher als hier; eine ordentliche kallipotamische Gans bringt es locker auf sechs Kilo, dabei ist sie überaus zart und aromatisch.
Am Vorabend des kallipotamischen Erntedankfestes findet der „Perihallumi“ statt, was nichts anderes ist als ein Umzug a la Halloween. Wie es zu diesem Brauch kam, ist wie so Vieles in Kallipotamien nicht mehr nachzuvollziehen. Jedenfalls geistern Kinder und Jugendliche abends in weiße Laken gehüllt mit ausgehöhlten und beleuchteten Kürbissen durch die Dunkelheit. Auch die Kinder der Nachbarn von Europas Familie machen bei diesem Brauch mit. Es sind Zwillinge von sechs, ein weiterer Junge von acht, und die älteste, Giudina, ist schon dreizehn. Der Vater hat seinen Kindern vier Kürbisse besorgt, nun ja, eher nach dem Alter als nach der Kopfgröße: Der zweite Kürbis wiegt 50% mehr als der erste, der dritte wiegt so viel wie die beiden ersten zusammen und zweieinhalb mal so viel wie der vierte; alle zusammen wiegen 10 Kilo mehr als der leichteste. Sie können sich schon denken, was jetzt kommt - Manfred möchte von Ihnen wissen, wie schwer die einzelnen Kürbisse sind...

LÖSUNG Nr. 104: Die größte Wahrscheinlichkeit besitzt die Augensumme 13. (Sie kann von allen Summen zwischen 7 und 12 erreicht werden, 14 kann erst ab 8, 15 erst ab 9 erreicht usw. und 18 schließlich nur mit 12)
KALLIPOTAMISCHE GESCHICHTEN

Manfred hat uns neulich eine ganz traurige Geschichte aus Kallipotamien erzählt. Europas Familie ist, wie wir längst wissen, in eine große Verwandtschaft eingebunden. Aliotis, einer von Europas Großcousins , der an einer schweren Krankheit litt, erfuhr, dass er nicht mehr allzu lange zu leben hatte. Was besonders tragisch war: Wenige Tage, nachdem der noch junge Mann mit seinem nahen Ende konfrontiert wurde, erhielt er die Nachricht, dass sein sehnlichster Lebenswunsch in Erfüllung gehen sollte - seine Frau erwartete Nachwuchs. Aliotis schwankte zwischen Freude und Entsetzen. Da ihm der Arzt keine Hoffnung machen konnte, die Geburt seines Kindes noch zu erleben, regelte er schließlich alles für die Erbteilung. Sollte ein Sohn zur Welt kommen, dann sollte das Kind 60% und die Mutter 40 % seines Sparvermögens erhalten. Sollte aber eine Tochter geboren werden, dann sollte die Mutter 60% und das Kind 40 % des Geldes bekommen. So ist es übrigens von jeher Brauch in Kallipotamien. Alle anderen Vermögenswerte teilte Aliotis hälftig auf.
Es kam wie vorausgesagt. Aliotis bekam seinen Nachwuchs nicht mehr zu Gesicht; er starb vor der Niederkunft seiner Frau. Der Erbverwalter geriet nach der Geburt allerdings in einige Bedrängnis. Aliotis' Frau brachte nämlich gesunde Drillinge zur Welt - einen Sohn und zwei Töchter. Zu verteilen war ein Sparvermögen von genau 29900 Euboles. Sie wissen ja: Ein Eubolos entspricht genau 5,62 Euro. Nach einigem Nachdenken fand der Anwalt eine plausible und vor allem gerechte Verteilung.
Können Sie sagen, wem er unter oben geschilderter Voraussetzung wie viele Euboles zugestanden hat?

LÖSUNG Nr. 101: Sieben Wettbewerbe wurden zwischen den beiden Schulen ausgetragen. Sechs Punkte gab es für Platz eins, vier für Platz zwei und drei für Platz drei. Gignomia erreichte drei erste, zwei zweite und sechs dritte Plätze.

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